An einem der letzten hochsommerlichen Septembertage waren wir mit rund 40 LSV-Senioren wieder unterwegs. Nach unseren Reisen in den Norden – zum Zwischenahner Meer – und in den Osten – ins Erzgebirge – ging es dieses Mal Richtung Süden, nach Kassel. Wir wollten uns das Wahrzeichen der Stadt, den Herkules, und die Wasserspiele im Schlosspark Wilhelmshöhe ansehen.

Als wir nach rund zweieinhalb Stunden Fahrt aus dem Bus stiegen, hatten wir bis zur geführten Besichtigung der Wasserspiele noch etwas Zeit, die viele nur allzu gern erst einmal dazu nutzten, die von unserem Busfahrer Victor angebotenen heißen Würstchen zu essen, schließlich war es Mittagszeit.

Das nahe Besucherzentrum versprach Informationen zur Herkules-Statue und zu den Wasserspielen und zeigte Fotos, Filme, Karten und derlei mehr. Wer wollte, konnte auch das achteckige Bauwerk erkunden, auf dem der Herkules seit 300 Jahren steht.

Der Blick von dort auf Kassel und auf die Stufen und Kaskaden der Wasserspiele war schon beeindruckend. Vom Wasser, was einige erwartet hatten, war allerdings nichts zu sehen. Und viele Besucher auch nicht. Noch nicht. Das sollte sich jedoch schnell ändern.

Unsere beiden Fremdenführerinnen waren unterdessen eingetroffen, und in zwei Gruppen brachen wir zu der zweistündigen Besichtigung auf, nicht ohne uns zuvor einige Ermahnungen anzuhören: „Haben Sie ausreichend Getränke dabei? Fotografieren Sie nicht im Gehen. Achten Sie auf die Stufen. Melden Sie sich, wenn es Ihnen zu viel wird. Bleiben Sie hinter mir. Wir gehen mit dem Wasser.“ Dann begann das kleine Abenteuer: Vor uns lagen 539(!) steinerne Stufen, danach ging es ohne Stufen weiter abwärts.

Zuvor erfuhren wir noch einiges zur Herkules-Statue selbst, die mit dem Oktogon und der darauf aufgesetzten Pyramide 70,5 Meter hoch ist. Um eine Vorstellung von dieser Größe zu haben: Allein der Fuß des Herkules misst 1,25 Meter. Und um einen kleinen Exkurs in die griechische Mythologie kamen wir natürlich auch nicht herum, denn Herkules hält Äpfel in seiner Hand, die goldenen Äpfel der Hesperiden, die er als eine seiner zwölf Aufgaben herbeischaffen musste. Und wo war das Wasser? Zunächst noch im Sichelbachbecken, wie uns erklärt wurde, es würde durch unterirdische Stollensysteme auf die Minute genau zum Herkules geleitet. Und wie die ganze Anlage der Wasserspiele ohne Strom und Pumpen funktioniert, erklärte uns unsere Fremdenführerin auch auf anschaulich vereinfachte Weise.

Inzwischen waren wir am Ausgangspunkt der Wasserspiele angelangt und mit uns Hunderte, wenn nicht gar (gefühlt) Tausende weiterer Touristen.

Vor uns lagen 539(!) steinerne Stufen

„Wir gehen mit dem Wasser“, hatte uns anfangs etwas irritiert. Als aber nach einem leicht grausigen Ton, ausgelöst durch Wasserblasen, das Spektakel begann, das Wasser langsam die Kaskaden hinunterrann, die Sonne dabei spiegelte und sich die ersten Becken füllten, erklärte sich auch diese Aussage. 350.000 Liter Wasser waren auf dem Weg nach unten, flossen über künstlich angelegte Kaskaden, über hohe, ruinenähnliche Steinstufen, unter der Teufelsbrücke hindurch, hohe Wasserfälle bildend, mehrmals in Bassins aufgefangen, bis alles weiterfließen konnte, über ein Aquädukt rauschte und nochmals 34 Meter in die Tiefe stürzte, bis es nach gut einer Stunde, 320 Metern und 105 Höhenmetern mit einer 52 Meter hohen Fontäne im Neptunbecken endete. Mit dem Wasserlauf waren wir seitlich davon die 539 Steinstufen hinuntergegangen und hatten uns danach inmitten der vielen Besucher immer wieder ein günstiges Plätzchen gesucht, um das Wasser kommen und über die Felsen hinunterfallen zu sehen.

Es war ganz gewiss eindrucksvoll, was sich uns da mit einer 300 Jahre alten Technik dargeboten hatte.

 

Wieder einmal gilt Veronika und ihrem Team ein dickes Dankeschön ihrer reisefreudigen Senioren, die die Planung, Vorbereitung und Realisierung der Ausflüge sehr zu schätzen wissen.

Jutta Minuth