Montag ǀ Anfahrt
Ob es wohl die Erinnerung an die Seniorenreise des vergangenen Sommers war? Denn auf die diesjährige Reise brach ein regelrechter Anmelde-Ansturm herein, kaum dass die Flyer gedruckt und verteilt worden waren. Um aber möglichst vielen diese Reise zu ermöglichen, wurde ein noch größerer Bus als im vorigen Jahr eingesetzt.
Kurz nach neun waren alle LSV-Senioren eingesammelt, und die Fahrt in den Sommer begann. Die schon übliche Frühstückspause mit belegten Brötchen, Tomaten, Gurken, Obst und kleinen Snacks fand wieder viel Anklang ebenso wie die zweite größere Pause, die gleich mit einer ersten Besichtigung verbunden war. Ein Landgut in Deurningen, einem holländischen Dorf, öffnete uns seine Tore. Wir wurden mit Kaffee bewirtet, Bauer Herbert führte uns anschließend in den großen modernen Kuhstall mit rund 200 Kühen und erhellte uns dort „den Weg vom Gras bis zum Käse“. Etwas später, als wir wieder im Bus saßen und weiterfuhren, erinnerte ein noch immer deutlich wahrnehmbarer „Duft“ an diesen ersten Programmpunkt unserer Reise.
Gegen 17 Uhr erreichten wir unser Ziel Scheveningen. Das Thermometer zeigte freundliche 25 Grad.
Dienstag | Den Haag – Madurodam
Scheveningen ist ein Stadtteil Den Haags, und Den Haag ist der Parlaments- und Regierungssitz der Niederlande. Anneke, so hieß unsere Stadtführerin, stieg an diesem Vormittag zu uns in den Bus und zeigte uns ihre Stadt. Sie wies sichtlich stolz auf die internationalen Institutionen hin, die in Den Haag beheimatet sind und an denen wir nun vorbeifuhren: Internationaler Gerichtshof, Internationaler Strafgerichtshof, Ständiger Schiedshof, Europol … Auch zu jeder der Einrichtungen erklärte sie deren Aufgaben. Nach der Rundfahrt ging es zu Fuß weiter durch die Straßen Den Haags. Bei unserer ziemlich großen Gruppe, wir waren 56 an der Zahl, wurde dieser kleine Rundgang für einige nicht ganz so informativ wie für andere. Im Binnenhof, das ist ein mittelalterlicher Gebäudekomplex mit Sitz der niederländischen Regierung und einem Rittersaal als Mittelpunkt, verabschiedete sich Anneke von uns. Wir hatten nun Zeit für eigene Streifzüge durch die Straßen und Cafés. Zuvor versammelten wir uns jedoch für das obligatorische Gruppenfoto vor der großen Treppe zum Rittersaal.
Den Nachmittag verbrachten wir im Miniaturpark Madurodam, einer der bekanntesten Attraktionen des Landes. Auf dem rund 18 000 m² großen Gelände sind Häuser, Schlösser, Landschaften, Gärten, Fabriken, Straßen im Maßstab 1:25 nachgebaut. Wir mischten uns unter die vielen hundert Besucher, waren fasziniert von den nachempfundenen Straßenszenen und anderen kleinen Anlagen. Die Herren der Schöpfung zog es mehr zu den technischen Objekten wie dem Flughafen mit seinen Flugzeugen oder den schleudernden Rennwagen auf einer Rennstrecke, während die Damen meist vor den mittelalterlichen Gebäuden stehen blieben. Zum Abschluss noch ein erfrischendes Getränk, und dann fuhren wir wieder zum Hotel.
Mittwoch | Zaanse Schans – Amsterdam
Zaanse was? wird sich so manch einer von uns gefragt haben, aber das stellte sich doch schnell als ein Museumsdorf heraus, wohin uns wieder unser Busfahrer brachte. Zaan ist ein Fluss und Schans erinnert an eine Schanze, die im 16. Jahrhundert gegen spanische Angreifer gebaut worden war. Es war wieder voll, denn die Zaanse Schans wird von jährlich annähernd zwei Millionen Besuchern besichtigt – und jetzt auch von uns. Wir gingen einzeln oder in kleinen Gruppen über die schmalen Wege, sahen uns die mittelalterlichen Mühlen, Handwerksbetriebe und kleinen Häuschen aus früheren Jahrhunderten an, und wer wollte, konnte gegen ein kleines Entgelt auch hineingehen.
Nach der verabredeten Zeit trafen wir uns alle wieder auf dem übervollen, kostenpflichtigen Busparkplatz an unserem Bus, der am äußersten Ende des Parkplatzes stand. Unser Busfahrer Viktor hatte uns schon erwartet und – umsichtig wie er ist – heißen Kaffee und Würstchen für uns fertig. Nur einem gefiel dies absolut nicht: einem gestrengen Parkplatzwächter, der laut schimpfend auf seinem Fahrrad daherkam. Wir murrten, Viktor fügte sich. Er will ja vermutlich nochmal wiederkommen.
Und schon ging es weiter. Wir fuhren nach Amsterdam, waren dort zu einer einstündigen Grachtenfahrt angemeldet und gleich anschließend zu einer ebenfalls einstündigen Stadtführung, dieses Mal allerdings in drei Gruppen und mit drei Stadtführern. Dennoch verlor sich eine der Gruppen in dem allgemeinen Gedränge kurzzeitig aus den Augen … Wir haben auch hier wieder viel gesehen und viel gehört, aber was wir sicherlich immer mit Holland im Allgemeinen und Amsterdam im Besonderen in Verbindung bringen werden, sind die vielen selbstbewussten Radfahrer auf beneidenswert breiten Fahrradwegen und die unüberschaubar vielen Fahrräder. Kein Straßenrand in Amsterdam, der nicht von abgestellten Fahrrädern gesäumt war. Sogar Parkhäuser nur für Fahrräder gibt es, und als der Stadtführer erklärte, dass es bald auch noch eine Tiefgarage nur für Fahrräder geben werde, wunderte uns das nicht.
Donnerstag | Gouda – Euromast – Schiedam
Gouda muss man nicht erklären, Gouda, besonders den Käsemarkt mit dem mittelalterlich wirkenden Käsehandel per Handschlag, muss man sehen. Wir sahen ihn wieder im strahlenden Sonnenschein und hatten auch ausreichend Zeit, um über den großen Wochenmarkt zu bummeln, der natürlich nicht nur Käse zu bieten hat. Die Außenbewirtungen der Cafés, Konditoreien und Lokale waren gut besucht, und wer ein freies Plätzchen fand, steuerte strikt darauf zu, um dem geschäftigen Treiben bei einem Kaffee oder Cappuccino zuzuschauen. Das war Entspannung pur.
Unser nächstes Ziel, eher ein Zwischenstopp an diesem Nachmittag, war der Euromast in Rotterdam. Wer mochte, konnte sich hinauffahren lassen, zwar nicht die 185 Meter bis ganz nach oben, aber auch aus 112 Metern Höhe ist die Aussicht über Rotterdam beeindruckend.
Nach einer kleinen Pause mit heißen Würstchen (und ohne Maßregelungen) fuhren wir noch nach Schiedam. Hier teilten wir uns wieder auf: Eine Gruppe fuhr mit einem Flüsterboot über die Grachten, eine weitere Gruppe informierte sich, wie Genever hergestellt wird und schmeckt, und eine dritte, kleinere Gruppe schlenderte durch Schiedam und fand Cappuccino und Kuchen im Außenbereich eines Cafés auf dem heimeligen Marktplatz ganz hervorragend. So waren letztlich alle sehr zufrieden.
Freitag | Rückfahrt
Wie in den Jahren zuvor, war die Rückfahrt unserer Seniorenreise 2017 nicht einfach nur ein Zurückfahren. Auf uns warteten noch zwei außergewöhnliche Zwischenstopps. Der erste war das Panoramabild von Hendrik Willem Mesdag, das wir uns ansahen. Es war atemberaubend. Ein Gemälde von 120 Metern Umfang und 14 Metern Höhe. Es zeigt Strand und Küste von Scheveningen und wurde 1881 in nur vier Monaten gemalt. Der zweite Zwischenstopp auf unserer Heimfahrt war die Delfter Töpferei „De Delftse Pauw“. Wir sahen, wie Keramik hergestellt wird, erfuhren, was beim Brennen passiert und wie die Maler arbeiten. Und wer noch ein wenig Taschengeld übrig hatte, fand eventuell noch ein kleines Souvenir für die Freunde daheim.
Was abschließend bleibt, ist die Erinnerung an eine ereignisreiche Seniorenfahrt 2017, ausgearbeitet und organisiert von Veronika, unterstützt von Jürgen und Horst. Habt Dank, ihr Drei!
Text: Jutta Minuth | Fotos: Veronika Daedelow