Im Jahr 2016 kamen über einen Kontakt der Caritas einige Flüchtlinge zum Volleyball. Anfangs mussten viele Hürden überwunden werden. Die sprachliche Hürde war dabei sicherlich die schwierigste. Auf der sozialen Ebene lief es dadurch natürlich auch noch nicht ganz rund, aber sportlich verstanden sich alle sofort. Nachdem die ersten Begriffe wie „Aus“, „Drin“ und „Netz“ mit den dazugehörigen Handzeichen nach der ersten Woche schon von allen verinnerlicht wurden, ging es richtig steil bergauf. Schnell lernten sie unsere Sprache, lachten über Witze und zeigten ihre Dankbarkeit indem sie unseren Mädels vor allem den Auf -und Abbau komplett abgenommen haben. Einige machten beim Weihnachtsturnier mit und blieben auch noch beim gemütlichen Beisammensein nach dem Turnier, andere machten spontan beim Beachvolleyball mit, weil man sich zufällig im Stadion traf. Schnell entstanden Freundschaften, bei den sozialen Medien schickte man sich Freundschaftsanfragen und der Kontakt wurde immer besser.
Mittlerweile  treffen sich ca. 15 Flüchtlinge mehr oder weniger regelmäßig zum Trainingsbetrieb bei uns. In der nächsten Saison werden wir zum ersten Mal eine Mannschaft in der Mixed-Hobby Liga anmelden. Unsere 1. Damen werden zusammen mit einigen alteingesessenen Volleyballern und den Flüchtlingen eine Mannschaft bilden. Wir alle sind gespannt auf die nächste Saison.  An dieser Mannschaft ist bestens zu erkennen, dass Integration super funktioniert, sobald beide Seiten dazu bereit sind.

Ende Mai trafen sich einige von der Volleyballfamilie spontan bei bestem Wetter auf dem Beachvolleyballplatz.  Bei 30 Grad im Schatten ging es heiß her. Uns wurde zwar klar gemacht, dass im Sommer bei unseren Gästen eher 45 Grad herrschen, aber trotzdem waren Wasserpistole, Sprühflasche und Wassereimer bei diesem Wetter willkommene Utensilien für alle. Völlig motiviert auf dem Feld, völlig familiär abseits des Feldes, so könnte man das Geschehen auf dem Pfingstanger beschreiben. Während man im Sand um jeden Punkt kämpfte, hatten im Schatten unter den Bäumen und Sonnenschirmen die Kinder und Zuschauer ihren Spaß.
Ich bin mir nicht sicher, ob es in Lehrte und Umgebung ein ähnlich erfolgreiches Integrationsprojekt gibt oder geben wird. Bis auf den traurigen Hintergrund, der diese Freundschaften erst ermöglicht hat, sind wir sehr stolz drauf, wie alles bisher gelaufen ist. Auch viele Außenstehende haben dazu beigetragen, denen wir hier nochmal ausdrücklich danken möchten. Ob es der Lehrter Sport-Verein war, der unbürokratisch bei der Flüchtlingskrise gehandelt hat, der Regionssportbund Hannover, der mit einem Zuschuss geholfen hat, den Flüchtlingen Sportkleidung zu kaufen, Sport Goslar, der sofort bereit war für diese Truppe ein günstiges Paket zusammenzustellen oder die Trainer, die ohne zu zögern die Leute in ihre Trainingseinheiten eingebaut haben.

Florian Jacob