Irgendwann war sie einfach da, die Idee mit dem Opernhaus. Das Planungsteam der Senioren nahm diesen Vorschlag auch sogleich in die 2019-Liste auf, Ulli übernahm Organisation und Anmeldung, und so fanden wir uns an einem sonnigen Juni-Nachmittag vor dem Opernhaus ein, um uns einmal das ansehen zu können, was bei den üblichen Opernbesuchen im Verborgenen bleibt.

Zwei Mitarbeiter des Staatstheaters Hannover führten uns in getrennten Gruppen über viele Treppen hinauf und hinunter, quer durch das Haus. Wir waren auf und neben der großen Hauptbühne und auch darunter; wir erklommen etliche Treppenstufen bis hinauf unters Dach; wir sahen von der Bühne in den Zuschauerbereich und beobachteten vom Zuschauerraum aus, wie die Bühne für die abendliche Vorstellung hergerichtet wurde. Und wir erfuhren auch wieder viele Zahlen, Fakten und sonstige Angaben.

Auf der Hauptbühne bereitete es unserem jungen Begleiter sichtliches Vergnügen, uns raten zu lassen, wie groß denn wohl die Bühne sei. Die ersten Schätzungen lagen natürlich total daneben. Sie ist – ohne die beiden Seitenbühnen – 450 Quadratmeter groß. Die Zahl der Scheinwerfer war noch erstaunlicher: Etwa 2 000 können die Bühne ausleuchten, was uns spontan an die Energiekosten denken ließ, aber die wollte uns der junge Mann dann doch nicht verraten. Dass die Opernsänger und -sängerinnen dadurch das Publikum gar nicht sehen können, erschien uns durchaus plausibel. 50 Bühnentechniker und 16 Beleuchter sorgen im Schichtbetrieb dafür, dass wir uns perfekte Opernaufführungen anschauen können.

Er zeigte uns auch, wo die Souffleuse sitzt, und dass sie den Sängerinnen und Sängern ununterbrochen die Texte zuflüstert. Immer einen Augenblick früher, als diese ihn singen. Manchmal, verriet er uns, manchmal können Sie das Flüstern als Zuschauer sogar hören.

Der Blick in den Zuschauerbereich war wieder mit der Frage verbunden, wie viele Plätze es wohl seien. Diesmal war unsere Schätzung ziemlich treffend: Im Parkett und auf den drei Rängen finden genau 1.207 Besucher Platz. Und mit rund 90 Prozent Auslastung sind es immer sehr viele Opern- und Ballettfreunde, die sich die Aufführungen ansehen.

Dann verließen wir die Bühne, gingen weiter durch verwinkelte Flure und die nächsten Treppen hinauf in die Herrengarderobe, in der sich die Herren schminken. Eine der aufgereihten Perücken durften wir anfassen. Natürlich kam auch hier gleich wieder die Frage, was das wohl für Material sein könnte. Dass es Büffelhaar, also Echthaar ist, darauf sind wir nicht gekommen.

Die nächste Station war ganz oben unterm Dach, wo rund 40 000(!) Kostüme aus Oper und Schauspiel hängen und um die 6 000 Paar Schuhe gelagert werden. Vieles maßgeschneidert und den Darstellern perfekt angepasst von Hutmachern, Schneiderinnen, Schuhmachern und auch Rüst- und Waffenmeistern (gibt es dort tatsächlich).

In einem der vier Chorsäle, den wir uns dann noch ansahen, erfuhren wir, dass von der Planung eines Stücks bis zur Premiere zwei Jahre vergehen und bis zu 250 Mitarbeiter an einer Vorstellung mitarbeiten, vom Beleuchtungstechniker bis zum Einlasspersonal. Insgesamt hat das Niedersächsische Staatstheater rund 1 000 Angestellte, dazu kommen noch die vielen Künstler und Musiker.

Es war so vieles, was wir in diesen zwei Stunden gesehen und erfahren haben, Neues und Beeindruckendes und vor allem: Wir haben nun auch einmal auf jenen Brettern gestanden, die die (Opern)Welt bedeuten. Und das dank Ullis Idee und Organisation.