Ist es eine gute Idee einen Wanderweg mit einem Rad zu fahren? Es kommt darauf an! Und zwar ob man ausreichend positiv krank im Kopf ist eine Strecke von 193Km abseits von Asphalt in Angriff nehmen möchte. Der Heidschnuckenweg ist laut Eigenwerburg der schönste Wanderweg in Norddeutschlands. Er führt von Fischbek über 13 Etapppen bis nach Celle. 13 Tage hat natürlich niemand Zeit, so dass es die Strecke an einem Tag mit dem Rad zu bewältigen galt. Man(n) braucht ja Herausforderungen, wenn schon keine Wettkämpfe anstehen!

So ergab es sich, dass Frank mit mir (Sven) und zwei Rädern in aller Herrgotsfrühe im Zug nach Fischbek (Hamburg-Harburg) saßen. Um 8:30 Uhr ging es auf den Weg. Das darf wörtlich genommen werden. Direkt von Beginn an zeigte uns der Wanderweg die Grenzen der Fahrbearkeit auf. So dauerte es nur 500m bis zur ersten Schiebepassage. Frank auf einem, rassigen Cyclocrosser unterwegs, traf es mangels Bergübersetzung deutlich heftiger als mich. Aber was hilft es! Nach 5 Kilometern waren die Klamotten schweißnass. Unsere Herzen pochten verzweifelt. 30 Minuten waren vergangen. „Das wird ein langer Tag!“

Die Plackerei wurde hingegen durch eine sehr reizvolle Landschaft entlohnt. Durch die vielen Hügel ergaben sich immer wieder wunderschöne Panorama-Sichten weit über die Heide.

Die Strecke zeigte sich abwechslungsreich. Mal war ein schnelles Vorankommen aufgrund der Steigungen nicht möglich. Dann ging es nur Vorsichtig bergab, da der Weg steinig oder verwurzelt war. Insbesondere jedoch hatten wir den Sand im Vorfeld unterschätzt. Es gibt viel Sand in der Heide – sehr viel! Möchte man Sand überfahren bzw. durchfahren zeigt sich, dass die Reifenbreite ein wesentlicher Faktor ist. So gelang es mir auf meiner 57mm breiten MTB-Bereifung über das Wasser den Sand zu fahren. Franks 33mm breite „Trennscheiben“ hingegen vermochten es um so besser das Wasser den Sand zu teilen. So ging Frank jeder Sandkuhle ordentlich auf den Grund, was regelmäßig zum Stillstand führte. Gott zeigte ob der ausgestoßenen Flüche kein Erbarmen, sorgte aber nachmittags mit einem Gewitter für Abkühlung.

 

Die Kräfte kehrten bei Kuchen und Cappucino schnell zurück und so wurde das letzte Drittel der Strecke in Angriff genommen. Über den Tag verteilt wechselte die Führung immer wieder zwischen zwei anderen Radlern und uns. Beim x-ten Aufeinandertreffen wurde beschlossen gemeinsam zu fahren um zu plaudern. Es wurde berichtet, dass Frank und ich schon recht früh morgens an den Beiden ohne es zu bemerken vorbei geschossen sind, als die eine Reifenpanne hatten. Eingebüßt hatten wir den Vorsprung wiederum durch meine Reifenpanne. Durch ein „Pfiff-Pfiff-Pfiff“ versprühte sich die Dichtmilch meines Tubeless-Systems über Fahhradrahmen, Packtaschen und Fahrer. Boah – was für eine Sauerei! Erfreulicherweise war die Dichtmilchpampe tatsächlich in der Lage das Loch nach ein paar Minuten wieder zu verschließen, so dass es ohne Fummelei weitergehen konnte.

So ging ein langer Tag auf Rad mit einem tollen Sonnernuntergang in Celle zu Ende.